70 Jahre Schubmaststapler
Hoch soll er leben!
Wir schreiben das Jahr 1954: In Bern kickt Helmut Rahn die deutsche Fußball-Elf zum ersten Weltmeistertitel, in den USA spielt ein gewisser Elvis Presley seine allererste Single ein … während im unscheinbaren südenglischen Städtchen Basingstoke eine ganz andere Erfolgsgeschichte ihren Lauf nimmt. Der auf Industrieschlepper spezialisierte Hersteller Lansing Bagnall hatte kurz zuvor seine Fertigung hierher verlagert – und alle Hände voll zu tun: In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg lief die Produktion in vielen Fabriken auf Hochtouren. Entsprechend groß war der Bedarf an Maschinen, die den innerbetrieblichen Transport erleichtern.
„SFR, übernehmen Sie!“
So tüftelte Chefingenieur Freddy Arnot gemeinsam mit Produktionsleiter H.P. Mott und Cecil Goodacre ein Fahrzeugkonzept aus, das vom damals schon etablierten klassischen Gabelstapler in entscheidenden Aspekten abwich. Heraus kam schließlich der SFR (später FRES 2), Europas allererster Schubmaststapler.
Das Revolutionäre daran war, dass sich der Mast im Fahrgestell vorwärts und rückwärts bewegen konnte – vorwärts, damit die Gabeln eine Last vor dem Stapler aufnehmen konnten, und rückwärts, um die Last innerhalb der Radarme zu transportieren, was das Wenden in engen Gängen ermöglichte. Verbaut wurden dabei zwei separate Hydraulikmotoren: einer für den Gabelhub, ein zweiter für die Mastbewegungen.
Für die Kunden war das damals ein echter Gamechanger: Dank des Schubmaststaplers konnten sie sowohl die Raumfläche als auch die Raumhöhe optimal zur Einlagerung von Produktionsgütern nutzen, da Platz schon damals kostbar wart, Natürlich optimierte man bei Lansing Bagnall in den kommenden Jahren das Schubmastkonzept weiter: zum Beispiel mit dem FRER 2 von 1958, welcher eine einzigartige seitliche Sitzposition bot. Sie ermöglichte es dem Bedienpersonal, sich zügiger und zugleich sicherer in beide Richtungen zu bewegen. Schon zwei Jahre später folgte dann das erste Modell mit Triplex-Mast für Ein- und Auslagerungen in rund 7 Metern Höhe.
Doppelt Grund zum Feiern
Kurios: Dass Linde MH 1989 mit Lansing Bagnall den Erfinder des ersten europäischen Schubmaststaplers in sein Unternehmen integriert hatte, war seinerzeit noch gar nicht vollends klar. Denn tatsächlich beanspruchte ein Mitbewerber diesen „Titel“ lange für sich. Inzwischen ist der Fall jedoch (auch rechtlich) zweifelsfrei geklärt – weshalb wir in diesem Jahr offiziell auf das 70. Jubiläum der richtungsweisenden Erfindung anstoßen dürfen. Happy Birthday, Schubi! Und wenn wir schon beim Feiern sind: 2024 hat Linde MH mit seiner aktuellen Schubmaststapler-Baureihe 1120 die 50.000er-Verkaufsmarke geknackt. Der perfekte Beweis, dass die geniale Idee von Freddy Arnot und seinem Team auch in modernen Warenlagern, Distributionszentren und Co. wortwörtlich hoch geschätzt wird (heute sogar bis 15 Meter Höhe).